Historie

Paderborner CSD ’91

Kaum jemand aus der heutigen Generation wird es wissen, aber bereits 1991 gab es einen Christopher Street Day hier in Paderborn! Und gerade deswegen möchten wir an dieser Stelle daran erinnern und die Pionierarbeit würdigen, die vor über 20 Jahren bereits einen CSD in Paderborn möglich gemacht hat.

Presseveröffentlichung des Asta-Referates Lesben und Schwule

Paderborner CSD ’91
Ein voller Erfolg
(lew) Am 22. Juni 1991 fand der (u. a. im DRUCK Nr. 22) lang angekündigte Christopher Street Day in Paderborn statt. Hunderte von Lesben und Schwulen zeigten sich mitten in der Innenstadt samstags zur besten Einkaufszeit in einem eindrucksvollen Demonstrationszug. Rosa und lila Luftballons mit der Aufschrift „Wenn ich groß bin, werd ich lesbisch/schwul“ fanden insbesondere bei kleinen Kindern reißenden Absatz. Auch sonst waren die Reaktionen am Rande weit überwiegend positiv. Unter lautem Beifall spachen auf der zentralen Kundgebung auf dem Rathausplatz ein Vertreter vom Bundesvorstand des BVH (Bundesverband Homosexualität) sowie zwei Paderborner Lesben. Genauso sah es auch auf der Abschlußkundgebung vor der Herz-Jesu-Kirche am Westerntor aus, als ein Vertreter der Paderborner HuK-(Homosexualität und Kirche)-Gruppe sprach. Nach dem „offiziellen“ Abschluß bezogen sehr viele, auch kirchlich ungebundene, Schwule und Lesben die Herz-Jesu-Kirche in diesen Aktionstag mit ein, indem sie „privat“ mit Transparenten durch die Kirche zogen.

Nachmittags wurde das Programm fortgesetzt mit einem ökumenischen Wortgottesdienst der o. g. HuK-Paderborn in der KuWe, während im Kino UNIVERSUM der Film „Longtime Companion“ gezeigt wurde. Auch der Informationsstand im Foyer der KulturWerkstatt sowie das Frauencafé fanden regen Zuspruch.

Abends ab 20 Uhr begann der „kulturelle“ Teil des Aktionstages: Die Lesbenlaiinnenbühne „Wundersam und Andersrum“ mit dem Stück „Rotkäppchen und die böse Wölfin“, die SCHWILL (Schwule im Lipperland) aus Detmold mit Travestie und der Männerchor HOMOPHON aus Münster lösten begeisterte Ovationen aus. Die gute Stimmung in der KulturWerkstatt setzte sich auch bei der Disco bis in den frühen Morgen fort.

Erfreulich auch die gute Resonanz in den Medien (in Presse , Rundfunk und Fernsehen), wobei gleichzeitig das Verhalten der ‚grünen‘ (eigentlich schwarzen) Lokalzeitung sehr befremdet: Obwohl die Redaktion frühzeitig informiert war, wurde weder eine Vorankündigung noch ein Bericht über dieses Großereignis in der „Großstadt“ Paderborn durch das WV abgedruckt. Als Begründung hieß es: „Das entspricht nicht dem Wert unseres Hauses.“ Wie wahr!

Abkürzungen:
• KuWe = KulturWerkstatt
• WV = Westfälisches Volksblatt (Lokalausgabe des Westfalen-Blattes im Kreis Paderborn)